Der Ausgangspunkt
Da das Leben
nicht aus dem Zufall hervorgegangen sein kann, lässt es sich auch nicht durch blinde materielle Prozesse erklären. Die Materie beschreibt Strukturen, die Chemie Reaktionen, die Physik Bewegungen, doch alle setzen bereits stabile Gesetze voraus und erklären weder Sinn, Finalität noch Bewusstsein.
Wenn das Leben die Materie übersteigt, kann es nicht vollständig an sie gebunden sein.
Die Grenzen des materialistischen Postulats
Man hört immer wieder die Behauptung, das Bewusstsein werde vom Gehirn hervorgebracht. Doch bei genauerer Betrachtung wissen wir darüber nichts mit Gewissheit. Wir glauben, Korrelationen und funktionale Abhängigkeiten zu beobachten, doch es existieren keine belastbaren Beweise dafür, ebenso wenig wie es eine Erklärung für den Übergang von lebloser Materie zu gelebter Erfahrung gibt.
Dennoch werden solche Annahmen immer wieder als Selbstverständlichkeiten wiederholt, obwohl die Logik zur Zurückhaltung mahnt, zumal selbst Phänomene, die von einem Träger abhängen, keinen Schluss darauf erlauben, dass sie auf diesen reduzierbar wären.
Korrelation ist keine Identität, und Anmassung ist weder Wissen noch Wahrheit.
Bewusstsein als nicht-materielle Realität
Da man nicht beweisen kann, dass das Bewusstsein vom Gehirn hervorgebracht wird, dass es sich auf dieses reduzieren lässt oder dass es während der materiellen Existenz lediglich durch dieses vermittelt wird, sollte uns diese Unwissenheit ebenso zur Reflexion wie zur Zurückhaltung anhalten. In diesem Zusammenhang stellt die Analogie eines Radios, das Musik überträgt, einen in mehrfacher Hinsicht aufschlussreichen Vergleich dar. Wenn ein Radio zerstört wird, ist die Musik nicht mehr hörbar, doch nichts erlaubt die Annahme, dass sie als solche aufhört zu existieren, ebenso wenig wie es unverständig wäre zu behaupten, das Radio sei ihre Quelle.
Auf der Grundlage der uns zur Verfügung stehenden Elemente erscheint es daher kohärenter, die Materie als einen Träger oder eine Schnittstelle zu betrachten, statt als den Ursprung des Bewusstseins, zumal dieses weder Gewicht noch Form noch eine messbare Lokalisierung besitzt, während alles, was gemessen wird, durch es gemessen wird.
Ein rein materieller Prozess kann nicht zerstören, was seinem Wirkbereich entzogen ist.
Kontinuität statt Unterbrechung
Nichts in der rationalen Erfahrung deutet auf eine absolute Unterbrechung des Seins hin. Alles, was wir in der Ordnung der Wirklichkeit beobachten, folgt Prinzipien der Kontinuität und der Transformation, niemals einer vollständigen Auflösung. Energie wird nicht vernichtet, sie geht in eine andere Form über. Auch die Materie hört nicht auf zu existieren, sie ordnet sich neu. Die stabile und regelmässige Ordnung, die wir in allen Bereichen wahrnehmen, zeugt von einer Logik der Beständigkeit im Wandel und nicht von einem Chaos, das von absoluten Brüchen durchzogen wäre.
Wenn also die messbaren Dimensionen der Wirklichkeit diesem Gesetz der Erhaltung unterliegen, ist es inkohärent anzunehmen, dass ausgerechnet die immaterielle Dimension des Lebens –
das Bewusstsein – als einzige plötzlich im Nichts erlöschen sollte. Eine solche Annahme stellt keine rationale Schlussfolgerung dar, sondern ist eine unbedachte und willkürliche Behauptung.
Die Logik spricht für Kontinuität.
Sinn als rationales Argument
Da das Leben nicht rein materiell ist, besitzt es notwendigerweise einen Sinn. Sinn setzt jedoch immer Kontinuität voraus, und ein Sinn, der abrupt endet, widerspricht sich selbst, denn er hebt die Bedingung seiner eigenen Geltung auf.
Bemerkenswert ist zudem, dass selbst jener, der jede Finalität ausdrücklich leugnet, faktisch so handelt, als existiere Sinn. Er sucht nach Wahrheit, argumentiert, begründet, unterscheidet zwischen wahr und falsch. All diese Tätigkeiten setzen eine zeitliche Kontinuität voraus, die nur dort möglich ist, wo Handlungen über den Moment hinaus Bedeutung tragen.
Sinn entsteht somit nicht im Augenblick und endet nicht mit ihm, sondern setzt Kontinuität voraus.
Logische Schlussfolgerung
Da der Beginn der Schöpfung notwendigerweise die Existenz einer ihr vorausgehenden Information voraussetzt, da das Leben aus dieser Informationsquelle hervorgeht und das Bewusstsein die rein materielle Ordnung übersteigt, ist es widersinnig, es dem Schicksal der Materie unterwerfen zu wollen. Die eigentliche Frage besteht daher nicht darin, über seine Natur zu spekulieren, sondern nach jener Information zu fragen, die von Ewigkeit her autonom (al-Qayyuum) existiert. Und wenn sie alles mit Vollkommenheit und Dauerhaftigkeit zu ordnen vermochte, folgt daraus logisch, dass sie die Allmacht über das von ihr Hervorgebrachte besitzt.
Werdet ihr also weiterhin darauf beharren, die grundlegende Realität zurückzuweisen?
Dies ist lediglich eine Ermahnung an die Welten, und gewiss werdet ihr bald Kunde davon erhalten.
(Koran 38:87–88)